Donnerstag, 10. Juli 1997

10. Juli

"Ich habe gehört, du machst weiter Extra-Sessions mit Werner und inzwischen sogar mit Flo?"
"Ja. Hat sich das etwas schon rumgesprochen?"
"Du weißt, wie unser Verein ist."
"Ich befürchte: ja. Aber es ist mir egal."
"Leipzig? Heiko?"
Anscheinend kannten wir uns immer noch gut genug, daß zwei Stichworte reichten.
"Ja."
Eigentlich hatte ich ja ein Grinsen erwartet, doch es kam nicht. Statt dessen nickte er: "Man muß sich Ziele stecken."
"Toll, das Gleiche habe ich mir auch gesagt."
Dann plötzlich und ganz ohne Vorwarnung: "Wie geht es dir?"
Ich war verblüfft. Ich hatte mit so vielen Sachen gerechnet. Aber damit nun bestimmt nicht. Es dauerte einen Moment, bis ich einen halbwegs klaren Gedanken hatte: "Wie soll es mir wohl gehen? Beschissen wäre vielleicht das richtige Wort."
Nils blickte mich lange an. Ich versuchte, irgend etwas in seinen Augen zu lesen. Es gelang mir nicht. Nichts, kein Gefühl, keine Wärme, keine Kälte, gar nichts. Was war mit ihm passiert? Was war mit meinem Nils geschehen?
"Und wie geht es dir?" wollte ich wissen.
Er antwortete nicht. Statt dessen widmete er sich seiner Lieblingsbeschäftigung, Fäden aus der Mattenplane zu pfriemeln.
"Ich habe gefragt, wie es DIR geht!"
Nicht, daß es mich wirklich interessiert hätte. Ich wollte nur nicht als totaler Depp dastehen.
"Was meinst du wohl, wie es mir geht?"
Oh toll, ich hasse solche Gespräche: Frage - Gegenfrage - Frage - Gegenfrage. Das ist doch alles nicht mehr wahr. Vor allem was hätte er denn zu jammern? Er hat doch dieses Mädel an seiner Seite, mit dem er rumknutschen kann. So schlecht kann es ihm eigentlich nicht gehen.
Plötzlich stand er auf. Dann sah er mich lange an. Ich kam mir irgendwie total seltsam vor, ich sitze auf der Matte und er steht vor mir und guckt auf mich runter. Nach einer halben Ewigkeit sagte er: "Laß uns morgen reden. Laß uns morgen treffen und miteinander reden. Vielleicht wird es langsam mal Zeit, daß wir richtig miteinander reden."
Nun sitze ich da und schaue ihn unbewegt an. Warte. Warte, bis er mehr sagt. Und tatsächlich: "Morgen, morgen um acht bei Flo, ok?"
Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, meine Reaktion zu zeigen. Doch ich weiß es, ich habe es einfach wiederholt: Morgen um acht bei Flo. WARUM um alles in der Welt bei Flo? Was soll denn DAS werden. Ich hätte ihn am liebsten sofort gefragt. Ich hätte ihn geschüttelt und angeschrien, was Flo mit dieser ganzen Angelegenheit zu tun hat. Aber ich bin nach außen hin cool geblieben. Ich verstehe nichts mehr. Aber das Seltsame ist, daß es mir nichts mehr ausmacht. Es ist mir egal. Es ist mir irgendwie alles egal.

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