Donnerstag, 11. Juli 1996

11. Juli

"Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mich wenigstens vorher fragst, wenn du hier Logiergäste aufnimmst." Mom hatte mich in der Küche abgefangen. Ok, ich gebe ja zu, sie hat Recht, aber was hätte ich denn sonst machen sollen. Ihn alleine in der Wohnung verhungern lassen?
"Wie lange bleibt er? Wie soll denn das weitergehen?"
"Keine Ahnung. Die vom Jugendamt meinen er muß in ein Heim."
"Hat er denn keine Verwandten?"
"Ich glaube nicht."
"Nun, dann wird da wohl kein Weg dran vorbei führen. Erstmal kann er natürlich hier bleiben, aber bestimmt nicht länger als ein paar Tage."
Eigentlich ist mir das auch klar.

Am Nachmittag tauchte dann diese Frau vom Jugendamt auf und meinte, Max hätte jetzt einen vorübergehenden Vormund vom Amt und daß er spätestens morgen in ein Heim soll. Irgendwie ist das alles sehr aufregend. Beim Training gab es heute auch kein anderes Gesprächsthema. Jedenfalls finde alle, daß das mit dem Heim eine absolut beknackte Idee ist. Nils ist hinterher noch mit uns mitgekommen und wir haben noch ewig bei mir gesessen und gequatscht. Max ist wirklich völlig fertig, was ich verstehen kann. Ich meine, er zeigt es nicht, aber man sieht es ihm an. Ich glaube er macht sich vor allem Gedanken darüber, was mit seinem kleinen Bruder ist.

Nun ja, jetzt pennt er, nachdem wir ein paar Dosen Bier getrunken haben. Komisch, mein Kopf ist ganz klar. Ich überlege, wie es mir wohl in so einer Situation geht. Aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen, daß mir je so was passiert.

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