Freitag, 30. Januar 1998

"Ich glaube, es war ganz gut, daß ich sie gestern abgeholt habe."
"Wieso?"
"Ich weiß es nicht. Aber ich hatte es so im Gefühl, als wenn sie bestimmt noch zusammen weggegangen wären, wenn ich nicht vor der Halle gestanden hätte."
"Da haben wir aber noch mal Glück gehabt."
"Was?"
"Ach nichts, ist so ein blöder Satz aus einem Film, der mir seit gestern nicht mehr aus dem Kopf geht."
"Ja und wie geht das jetzt weiter? Ich meine, war es das mit dem Squashspielen oder treffen sie sich jetzt öfters?" Ich gebe zu, daß es mich eigentlich nicht wirklich interessiert, was Ina mit dem Skilehrer treibt. Aber die Fragen und Flos Stimme lenkten mich von meinen eigenen Gedanken ab.
"Ich habe mir vorgenommen, mehr mit ihr zu machen. Öfters irgendwohin zu gehen, gemeinsam etwas zu machen."
In meinem Kopf ging ich die Möglichkeiten durch, sich in Bergbach die Zeit sinnvoll zu vertreiben. Ich war schnell am Ende angelangt.
"Und du? Bist du fit für morgen? Mit deinem Knie alles ok?"
"Ich glaube ja. Und ich habe sogar richtig Lust."
"Der alte Kampfgeist."
"Vielleicht."
Ich weiß, daß es kein Kampfgeist ist. Ich weiß, daß es meine Wut ist, die raus muß. Meine Wut auf Nils. Wir haben heute in der Schule kaum miteinander gesprochen. Ich bin ihm so gut es ging aus dem Weg gegangen. Denn ich wußte, daß ich aggressiv reagiert hätte. Und er hätte es nicht verstanden. Wie auch. Ich selbst verstehe das ja nicht mal. Also wenn ich das jetzt wirklich mal versuche zusammenzupuzzeln: Da taucht also dieser Typ auf, Marcel. Wir findet ihn beide total süß, geil und sonstwas. Und Nils macht sich an ihn ran. Obwohl er weiß, daß ich hinter ihm her bin. Ich glaube, DAS ist es, was mich so wütend macht. Und ich bin wütend, daß Nils es tatsächlich gepackt hat, mit Marcel auf die Matte zu gehen. Was ich mich nicht getraut hatte. Ich konnte mich ja so toll darauf zurückziehen, daß immer der Trainer die Neuen von Anfang bis Ende betreut. Tolle Ausrede. Ausrede für mich. Aber verdammt, wie komme ich da raus? Ich kann doch Nils nicht sagen, daß er die Finger von Marcel lassen soll. Ich merke, wie ich mich wieder im Kreis drehe. Jetzt gehe ich erst mal zur Fahrstunde.

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