Dienstag, 27. Januar 1998

27. Janaur

"Vorsicht, nach links! Und langsamer."
"Jeeez."
Ich weiß ja auch nicht, warum der Fahrlehrer mich heute unbedingt durch die Altstadt gurken ließ. Die Straßen sind viel zu eng, dann noch Schnee, Eis und Matsch. Jedenfalls hätte ich beinahe einen anderen Wagen an der Seite erwischt. Außerdem scheine ich irgendwie heute nicht so gut drauf gewesen zu sein. Ich habe permanent den Motor abgewürgt und bin bestimmt insgesamt total bekloppt gefahren. Ich hoffe mal, daß es am Freitag besser wird.

Nils war heute wie immer. Als wäre gestern nichts gewesen, als hätten wir uns nicht gestritten. Naja, wir haben uns ja auch wieder versöhnt. Ich bin nach der Fahrstunde sogar noch ganz brav zum Krafttraining getapert. Nachdem ich mich auf dem Weg nach Hause von Nils verabschiedet hatte und ich so ganz allein durch den Schnee stapfte, kam mir so langsam hoch, warum es mir im Moment so komisch geht. Sicherlich ist es auch die Situation mit dem Schwulsein, mit dem Versteckspielen, mit dem Lügen und dem ganzen Hin und Her. Aber irgendwie ist es noch was anderes. Irgendwie ist alles immer wieder das Gleiche. Was passiert denn eigentlich Aufregendes? Ok, ich mache jetzt Führerschein, das ist ja auch ok. Aber sonst? Ich tapere zur Schule, zum Training, treffe mich ab und zu mit Nils, mit Doris, mit Flo. Ab und zu gehen wir mal in die Tofa, ins Kino oder zu einer Party. Ja und? War es das? Ist es das? IST DAS ALLES??? Ich glaube, mein Leben dreht sich nur im Kreis. Es ist echt immer das Gleiche. Es gibt nichts mehr Spannendes. Nichts, was wirklich aufregend ist. Je mehr ich darüber nachdenke, desto deutlicher wird mir das. ICH WILL HIER RAUS!!! Ich will was erleben. Neue Leute kennenlernen.

Shit, ich weiß nicht. Ich gehe jetzt erst mal joggen. Egal, ob Schnee oder nicht. Vielleicht ist mein Kopf danach ein bißchen klarer.

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