Sonntag, 12. Januar 1997
12. Januar
"Du hast mir so gefehlt", flüsterte mir Nils ins Ohr. Wir haben uns am Kochertalweg getroffen und lagen uns gleich in den Armen. "Du mir auch", flüsterte ich. Dann ein langer Kuß. Ich war noch ganz außer Atem von dem Laufen, aber es war so schön, meinen Nils wieder in den Armen zu halten, seine Wärme zu spüren. Gut sah er aus, braungebrannt, fast wie aus einer Boygroup entsprungen. Er erzählte mir jede Menge von seinen Skifahrten. Es war für mich alles total unverständlich, aber es ist so schön, wieder seine Stimme zu hören, einfach nur in seiner Nähe zu sein. Er hätte mir auch irgendwas über tibetanisches Flötenspiel erzählen können, ich hätte genauso gespannt zugehört.
"Und Jungs, da waren total viele niedliche Jungs." Ich zog die Stirn kraus. Er bemerkte wohl meine Reaktion, denn er beeilte sich lachend hinzuzufügen: "Hey, keine Angst, ich habe nicht alle vernascht." Ok, ich kann es mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, daß er auch nur irgendwas mit einem anderen Jungen gemacht hat. Vor allem waren ja seine Eltern die ganze Zeit dabei.
"Und wie hast du die Zeit in Hamburg verbracht? Was hast du Sylvester gemacht?"
"Ich war auf einer Party von ein paar Leuten aus meiner alten Schule. Aber es war nicht so dolle, ich bin auch ziemlich schnell wieder abgehauen." Das war ja nun auch nicht mal gelogen.
"Und, hast du deine große alte Liebe wiedergesehen?" Shit, wen meinte er denn? Wahrscheinlich Jost. Irgendwann muß ich ihm tatsächlich mal von ihm erzählt haben. "Nee, der war gar nicht dabei. Außerdem war da nie was. Ich war irgendwann einfach nur mal tierisch in ihn verknallt. Aber er wollte und konnte ja davon nichts wissen. Also, vergessen und vorbei."
"Ja, ist ja schon gut, reg' dich doch nicht so auf."
Hatte ich mich aufgeregt? Ich muß wirklich nicht nur aufpassen was ich sage, sondern auch wie ich Sachen sage. Zum Glück bohrte er nicht mehr weiter.
"Den nächsten Urlaub", sagte ich, "machen wir zusammen."
Nils guckte mich mit großen Augen an. Ich weiß auch nicht, wie ich darauf gekommen bin. Ich hatte einfach spontan die Idee.
"Wohin denn, und wie?"
"Ach ich weiß auch noch nicht. Fiel mir nur mal so ein. Das wäre doch irgendwie ganz toll, nur wir beide, oder?" Je mehr ich darüber nachdachte, desto besser fand ich die Idee. Nils lächelte: "Naja, warum eigentlich nicht."
Dann liefen wir noch eine ganze Weile Hand in Hand durch die Gegend bis wir schließlich wieder umkehrten und 'bewohntes' Gebiet erreichten. Ich erwischte mich bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, wenn man einfach weiter Hand in Hand durch die Stadt marschieren würde. Ok, das würde Nils sowieso nie mitmachen und ich ja sicherlich auch nicht. Aber interessant finde ich diese Idee schon. Ob ich das je mal machen werde? Es wäre ja eigentlich total toll, wenn man sich nicht mehr nur heimlich treffen würde.
Nach unserem langen Spaziergang waren wir jedenfalls so durchgefroren und naß, daß wir noch ins Sirius gegangen sind und uns mit Glühwein zugeschüttet haben. Was ich jetzt noch ziemlich doll im Kopf merke, aber was soll's. Morgen früh ist ja nur wieder Schulanfang.
"Und Jungs, da waren total viele niedliche Jungs." Ich zog die Stirn kraus. Er bemerkte wohl meine Reaktion, denn er beeilte sich lachend hinzuzufügen: "Hey, keine Angst, ich habe nicht alle vernascht." Ok, ich kann es mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, daß er auch nur irgendwas mit einem anderen Jungen gemacht hat. Vor allem waren ja seine Eltern die ganze Zeit dabei.
"Und wie hast du die Zeit in Hamburg verbracht? Was hast du Sylvester gemacht?"
"Ich war auf einer Party von ein paar Leuten aus meiner alten Schule. Aber es war nicht so dolle, ich bin auch ziemlich schnell wieder abgehauen." Das war ja nun auch nicht mal gelogen.
"Und, hast du deine große alte Liebe wiedergesehen?" Shit, wen meinte er denn? Wahrscheinlich Jost. Irgendwann muß ich ihm tatsächlich mal von ihm erzählt haben. "Nee, der war gar nicht dabei. Außerdem war da nie was. Ich war irgendwann einfach nur mal tierisch in ihn verknallt. Aber er wollte und konnte ja davon nichts wissen. Also, vergessen und vorbei."
"Ja, ist ja schon gut, reg' dich doch nicht so auf."
Hatte ich mich aufgeregt? Ich muß wirklich nicht nur aufpassen was ich sage, sondern auch wie ich Sachen sage. Zum Glück bohrte er nicht mehr weiter.
"Den nächsten Urlaub", sagte ich, "machen wir zusammen."
Nils guckte mich mit großen Augen an. Ich weiß auch nicht, wie ich darauf gekommen bin. Ich hatte einfach spontan die Idee.
"Wohin denn, und wie?"
"Ach ich weiß auch noch nicht. Fiel mir nur mal so ein. Das wäre doch irgendwie ganz toll, nur wir beide, oder?" Je mehr ich darüber nachdachte, desto besser fand ich die Idee. Nils lächelte: "Naja, warum eigentlich nicht."
Dann liefen wir noch eine ganze Weile Hand in Hand durch die Gegend bis wir schließlich wieder umkehrten und 'bewohntes' Gebiet erreichten. Ich erwischte mich bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, wenn man einfach weiter Hand in Hand durch die Stadt marschieren würde. Ok, das würde Nils sowieso nie mitmachen und ich ja sicherlich auch nicht. Aber interessant finde ich diese Idee schon. Ob ich das je mal machen werde? Es wäre ja eigentlich total toll, wenn man sich nicht mehr nur heimlich treffen würde.
Nach unserem langen Spaziergang waren wir jedenfalls so durchgefroren und naß, daß wir noch ins Sirius gegangen sind und uns mit Glühwein zugeschüttet haben. Was ich jetzt noch ziemlich doll im Kopf merke, aber was soll's. Morgen früh ist ja nur wieder Schulanfang.
Samstag, 11. Januar 1997
11. Januar
23:30
"Hi, mein Schatz. Ich will mich nur zurückmelden!" Nils, Nils, mein Nils ist wieder da! Gerade eben hat er angerufen. Er konnte allerdings nur kurz telefonieren. weil sie erst jetzt wieder angekommen sind. Wir haben uns für morgen verabredet und ich freue mich schon so darauf, ihn wiederzusehen.
Also hat es sich doch "gelohnt" heute Abend nicht wegzugehen. Ich hatte auch einfach keine Lust auf andere Leute und vor allem auf Hetero-Pärchen. Also wurde es wieder der totale Gammeltag und Gammelabend vor dem TV. Aber wenigstens hat dann noch Nils angerufen. Ich stelle mir vor, wie er jetzt auf seinem Bett liegt.
"Hi, mein Schatz. Ich will mich nur zurückmelden!" Nils, Nils, mein Nils ist wieder da! Gerade eben hat er angerufen. Er konnte allerdings nur kurz telefonieren. weil sie erst jetzt wieder angekommen sind. Wir haben uns für morgen verabredet und ich freue mich schon so darauf, ihn wiederzusehen.
Also hat es sich doch "gelohnt" heute Abend nicht wegzugehen. Ich hatte auch einfach keine Lust auf andere Leute und vor allem auf Hetero-Pärchen. Also wurde es wieder der totale Gammeltag und Gammelabend vor dem TV. Aber wenigstens hat dann noch Nils angerufen. Ich stelle mir vor, wie er jetzt auf seinem Bett liegt.
Freitag, 10. Januar 1997
10. Januar
"Du bist so still, seit wir aus Hamburg zurück sind. Hast du was?"
Ich schüttelte den Kopf und wunderte mich, was Mom meinte. War ich tatsächlich stiller? Nee, ich glaube eigentlich nicht. Ich bin nur im Moment in so einer absoluten Muff-Phase, wo ich nicht so recht weiß, was ich machen soll und zu nix Lust habe. Wenigstens habe ich mich heute aufgerafft und bin ins Schwimmbad gegangen. Es war aber so gut wie nichts los, also ich meine, was andere Jungs betrifft. Also bin ich fast die ganze Zeit geschwommen.
Dann hinterher noch schnell Lisa vom Kindergarten abgeholt. Ich finde es toll, wie sie immer so viele Sachen zu erzählen hat, wenn sie zurück kommt. Wie begeistert und fasziniert sie von den kleinsten Dingen ist und wie einfach ihr Leben doch ist. Ich versuche mich an die Zeit zu erinnern, als ich so alt war, aber es fällt mir schwer. Das meiste scheine ich wirklich vergessen zu haben. Auf jeden Fall kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie ich mich gefühlt habe.
Morgen kommt endlich Nils wieder. Und plötzlich fällt mir die Sache mit Maik wieder ein. Ich habe es tatsächlich geschafft, das Ganze für ein paar Tage zu vergessen. Und jetzt ist es so, als wenn es schon Ewigkeiten zurückliegt, schon fast nicht mehr wirklich ist. Auf jeden Fall werde ich Nils nichts davon erzählen, das habe ich mir fest vorgenommen!
Was mich aber immer noch wundert ist diese Dreistigkeit, diese Selbstverständlichkeit von diesem Maik. Ich würde mich doch nie trauen, einen anderen Jungen so anzubaggern wie er das gemacht hat. Was wäre denn passiert, wenn ich nun tatsächlich ein Hetero gewesen wäre? Obwohl, je mehr ich darüber nachdenke...was hatte Tassi gesagt? Es wäre ein Kumpel von Varis Schwester. Vielleicht weiß sie ja, daß er schwul ist. Und die anderen Leute auf der Paty kannten ihn wahrscheinlich eh nicht, weil er ja aus Berlin kommt. Also eigentlich war es dann ziemlich genial, weil ihm ja so gut wie nichts passieren konnte. Aber ich bewundere trotzdem seinen Mut, einfach so total easy jemanden anzubaggern und dann noch den wahrscheinlich einzigen Schwulen zu erwischen.
Ich schüttelte den Kopf und wunderte mich, was Mom meinte. War ich tatsächlich stiller? Nee, ich glaube eigentlich nicht. Ich bin nur im Moment in so einer absoluten Muff-Phase, wo ich nicht so recht weiß, was ich machen soll und zu nix Lust habe. Wenigstens habe ich mich heute aufgerafft und bin ins Schwimmbad gegangen. Es war aber so gut wie nichts los, also ich meine, was andere Jungs betrifft. Also bin ich fast die ganze Zeit geschwommen.
Dann hinterher noch schnell Lisa vom Kindergarten abgeholt. Ich finde es toll, wie sie immer so viele Sachen zu erzählen hat, wenn sie zurück kommt. Wie begeistert und fasziniert sie von den kleinsten Dingen ist und wie einfach ihr Leben doch ist. Ich versuche mich an die Zeit zu erinnern, als ich so alt war, aber es fällt mir schwer. Das meiste scheine ich wirklich vergessen zu haben. Auf jeden Fall kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie ich mich gefühlt habe.
Morgen kommt endlich Nils wieder. Und plötzlich fällt mir die Sache mit Maik wieder ein. Ich habe es tatsächlich geschafft, das Ganze für ein paar Tage zu vergessen. Und jetzt ist es so, als wenn es schon Ewigkeiten zurückliegt, schon fast nicht mehr wirklich ist. Auf jeden Fall werde ich Nils nichts davon erzählen, das habe ich mir fest vorgenommen!
Was mich aber immer noch wundert ist diese Dreistigkeit, diese Selbstverständlichkeit von diesem Maik. Ich würde mich doch nie trauen, einen anderen Jungen so anzubaggern wie er das gemacht hat. Was wäre denn passiert, wenn ich nun tatsächlich ein Hetero gewesen wäre? Obwohl, je mehr ich darüber nachdenke...was hatte Tassi gesagt? Es wäre ein Kumpel von Varis Schwester. Vielleicht weiß sie ja, daß er schwul ist. Und die anderen Leute auf der Paty kannten ihn wahrscheinlich eh nicht, weil er ja aus Berlin kommt. Also eigentlich war es dann ziemlich genial, weil ihm ja so gut wie nichts passieren konnte. Aber ich bewundere trotzdem seinen Mut, einfach so total easy jemanden anzubaggern und dann noch den wahrscheinlich einzigen Schwulen zu erwischen.
Donnerstag, 9. Januar 1997
9. Januar
"Sage einfach Bescheid, wann du anfangen willst und dann kannst du loslegen."
Wow, ich habe einen Platz für's Bogy. In einem Architekturbüro! Ich weiß gar nicht, wie ich eigentlich auf Architektur gekommen bin, aber ich stelle es mir irgendwie ganz spannend vor. Vor ein paar Wochen habe ich zum ersten Mal mit dem Gedanken gespielt, als wir in BG einen Grundriß zeichnen sollten. Ich bin ja mal gespannt, wie das wird, obwohl man in der kurzen Zeit sicher nicht so viel mitbekommt. Ich denke mal, daß das auf jeden Fall spannender ist, als das Ganze bei der Bundesbahn zu machen, wie etliche bei uns in der Schule. Naja und Moms neue Kontakte hier haben mir eben ein bißchen geholfen. Der Typ war auch echt nett und unkompliziert.
Beim Aufräumen (ICH habe aufgeräumt, ICH! FREIWILLIG! Naja, ich hatte tatsächlich Langeweile) ist mir Tobias' Telefonnummer untergekommen. Ich war kurz davor, ihn anzurufen, aber dann habe ich mich gefragt, was ich ihm eigentlich hätte sagen sollen. Also habe ich es lieber gelassen.
Beim Training war heute zum Glück kein Schulterwurf mehr dran. Das hätte ich bestimmt auch nicht ausgehalten, weil mir alles noch von gestern weh tut. Aber wenn ich mal so die letzte Zeit zurückblicke, dann finde ich es schon spannend, wie viele Sachen ich jetzt beim Training oder beim Kampf wegstecke, ohne daß es nennenswert wehtut.
Wow, ich habe einen Platz für's Bogy. In einem Architekturbüro! Ich weiß gar nicht, wie ich eigentlich auf Architektur gekommen bin, aber ich stelle es mir irgendwie ganz spannend vor. Vor ein paar Wochen habe ich zum ersten Mal mit dem Gedanken gespielt, als wir in BG einen Grundriß zeichnen sollten. Ich bin ja mal gespannt, wie das wird, obwohl man in der kurzen Zeit sicher nicht so viel mitbekommt. Ich denke mal, daß das auf jeden Fall spannender ist, als das Ganze bei der Bundesbahn zu machen, wie etliche bei uns in der Schule. Naja und Moms neue Kontakte hier haben mir eben ein bißchen geholfen. Der Typ war auch echt nett und unkompliziert.
Beim Aufräumen (ICH habe aufgeräumt, ICH! FREIWILLIG! Naja, ich hatte tatsächlich Langeweile) ist mir Tobias' Telefonnummer untergekommen. Ich war kurz davor, ihn anzurufen, aber dann habe ich mich gefragt, was ich ihm eigentlich hätte sagen sollen. Also habe ich es lieber gelassen.
Beim Training war heute zum Glück kein Schulterwurf mehr dran. Das hätte ich bestimmt auch nicht ausgehalten, weil mir alles noch von gestern weh tut. Aber wenn ich mal so die letzte Zeit zurückblicke, dann finde ich es schon spannend, wie viele Sachen ich jetzt beim Training oder beim Kampf wegstecke, ohne daß es nennenswert wehtut.
Mittwoch, 8. Januar 1997
8. Januar
"Kann ich vorbeikommen und meine Mails abholen?"
Das war Max. Er war bei seiner Großmutter über Weihnachten und Neujahr und ist jetzt wieder zurück in Bergbach. Das Ganze war aber wohl eine ziemlich deprimierende Sache, weil sie auch keinen Kontakt mehr zu seiner Mutter hat. Ich finde diese ganze Angelegenheit ja sowieso total daneben und mir fiel auch nichts besonderes ein, wie ich ihn aufheitern könnte. Naja auf jeden Fall haben wir ein bißchen am Computer gespielt und sind dann zum Training getapert. Dimitri hatte immer noch schlechte Laune aber inzwischen habe ich gelernt, es zu ignorieren. Zu allem Unglück waren heute Schulterwürfe dran und davor habe ich nun richtig Schiß. Ich habe krampfhaft versucht, meinen Kopf auf die Brust zu drücken, damit ich mir nicht das Genick verknackste. Aber es ist echt heftig, wenn man beim Fallen an so viele Sachen gleichzeitig denken muß. Und am Ende vom Training war ich echt froh, daß mir nichts passiert ist.
Ansonsten war heute nichts. Ein echt öder Winter-Ferientag.
Das war Max. Er war bei seiner Großmutter über Weihnachten und Neujahr und ist jetzt wieder zurück in Bergbach. Das Ganze war aber wohl eine ziemlich deprimierende Sache, weil sie auch keinen Kontakt mehr zu seiner Mutter hat. Ich finde diese ganze Angelegenheit ja sowieso total daneben und mir fiel auch nichts besonderes ein, wie ich ihn aufheitern könnte. Naja auf jeden Fall haben wir ein bißchen am Computer gespielt und sind dann zum Training getapert. Dimitri hatte immer noch schlechte Laune aber inzwischen habe ich gelernt, es zu ignorieren. Zu allem Unglück waren heute Schulterwürfe dran und davor habe ich nun richtig Schiß. Ich habe krampfhaft versucht, meinen Kopf auf die Brust zu drücken, damit ich mir nicht das Genick verknackste. Aber es ist echt heftig, wenn man beim Fallen an so viele Sachen gleichzeitig denken muß. Und am Ende vom Training war ich echt froh, daß mir nichts passiert ist.
Ansonsten war heute nichts. Ein echt öder Winter-Ferientag.
Dienstag, 7. Januar 1997
7. Januar
"Und wie geht es dir so ohne ihn?"
Doris und ich saßen im Café und schütteten Glühwein in uns hinein. "Es geht so. Er fehlt mir, aber er hat gestern angerufen."
"Es is ja irgendwie süß."
"Was ist süß?"
"Na, zu sehen wie du so verliebt bist. So richtig wie ein kleines Mädchen." Ich hätte sie ohrfeigen können, aber ich wußte, daß sie es nicht böse oder gehässig meinte. "Warum erzählst du nie was von dir und Clemens?"
"Oh, das interessiert dich doch bestimmt nicht."
"Na klar interessiert mich das. Ich liebe Klatsch und Tratsch."
Sie lachte. "Es gibt aber nix zu tratschen über uns. Er ist wirklich großartig. Lieb und überhaupt." Ihr Augen strahlten als sie das sagte und ich glaube ihr auch. Sie hat mir auch erzählt, daß mit dem Baby alles in Ordnung ist. Inzwischen sieht man es auch schon total deutlich.
Das Krafttraining war heute nicht das gleiche wie wenn Nils dabei ist. Irgendwie fehlt tatsächlich jemand, der einen anfeuert und treibt. So habe ich einfach ziemlich lustlos ein paar Gewichte gestemmt und bin dann wieder abgedackelt. Ein Gemisch aus Schnee und Regen fällt vom Himmel. Es wird Zeit, daß es wieder Sommer wird.
Doris und ich saßen im Café und schütteten Glühwein in uns hinein. "Es geht so. Er fehlt mir, aber er hat gestern angerufen."
"Es is ja irgendwie süß."
"Was ist süß?"
"Na, zu sehen wie du so verliebt bist. So richtig wie ein kleines Mädchen." Ich hätte sie ohrfeigen können, aber ich wußte, daß sie es nicht böse oder gehässig meinte. "Warum erzählst du nie was von dir und Clemens?"
"Oh, das interessiert dich doch bestimmt nicht."
"Na klar interessiert mich das. Ich liebe Klatsch und Tratsch."
Sie lachte. "Es gibt aber nix zu tratschen über uns. Er ist wirklich großartig. Lieb und überhaupt." Ihr Augen strahlten als sie das sagte und ich glaube ihr auch. Sie hat mir auch erzählt, daß mit dem Baby alles in Ordnung ist. Inzwischen sieht man es auch schon total deutlich.
Das Krafttraining war heute nicht das gleiche wie wenn Nils dabei ist. Irgendwie fehlt tatsächlich jemand, der einen anfeuert und treibt. So habe ich einfach ziemlich lustlos ein paar Gewichte gestemmt und bin dann wieder abgedackelt. Ein Gemisch aus Schnee und Regen fällt vom Himmel. Es wird Zeit, daß es wieder Sommer wird.
Montag, 6. Januar 1997
6. Januar
"Das ist ja mal wieder typisch Ferien."
Ich war heute beim Training aber es war kaum jemand da. Nils ja sowieso nicht, Max und Florian auch nicht. Dementsprechend knurrig war Dimitri natürlich und hat uns Rest total heftig rangenommen. Dementsprechend fertig bin ich auch. Aber es tut auf der anderen Seite auch ganz gut, mal wieder seinen Körper nach dem Training zu spüren. Es ist schon merkwürdig aber das Training und das Ringen haben mir tatsächlich gefehlt. Hätte ich gar nicht geglaubt, daß es mal so weit kommt.
Oh, Telefon
Nils, Nils mein Nils hat angerufen. Es war so schön seine Stimme zu hören. Es geht ihm gut und er scheint eine Menge Spaß beim Skifahren zu haben. Wir wollten gar nicht aufhören zu telefonieren und keiner wollte auflegen, bis irgendwann seine Mutter von hinten rief er soll nicht so ewig lange machen. Ich küßte ihn durch den Hörer. Meinen Schatz. Mir geht es wieder gut!
Ich war heute beim Training aber es war kaum jemand da. Nils ja sowieso nicht, Max und Florian auch nicht. Dementsprechend knurrig war Dimitri natürlich und hat uns Rest total heftig rangenommen. Dementsprechend fertig bin ich auch. Aber es tut auf der anderen Seite auch ganz gut, mal wieder seinen Körper nach dem Training zu spüren. Es ist schon merkwürdig aber das Training und das Ringen haben mir tatsächlich gefehlt. Hätte ich gar nicht geglaubt, daß es mal so weit kommt.
Oh, Telefon
Nils, Nils mein Nils hat angerufen. Es war so schön seine Stimme zu hören. Es geht ihm gut und er scheint eine Menge Spaß beim Skifahren zu haben. Wir wollten gar nicht aufhören zu telefonieren und keiner wollte auflegen, bis irgendwann seine Mutter von hinten rief er soll nicht so ewig lange machen. Ich küßte ihn durch den Hörer. Meinen Schatz. Mir geht es wieder gut!
Sonntag, 5. Januar 1997
5. Januar
"Du bist ja verrückt, bei dem Wetter durch die Gegend zu rennen."
Ich bin heute zwei Stunden lang gelaufen. Es hat mir richtig gut getan, wieder die Luft in meinen Lungen zu spüren. Meine Gedanken ordnen sich langsam. Ich habe beschlossen, Nils nichts von der Sache mit Maik zu erzählen. Ich glaube, es ist besser so. Es ist passiert und damit fertig, Schluß und vergessen. Es war geil aber eigentlich war es so wie die Sachen früher, passiert und vorbei. Vielleicht sollte ich die Sachen tatsächlich nicht alle so eng sehen und sie so nehmen wie sie kommen. Vielleicht geht das Leben dann sogar ein bißchen leichter.
Ich bin heute zwei Stunden lang gelaufen. Es hat mir richtig gut getan, wieder die Luft in meinen Lungen zu spüren. Meine Gedanken ordnen sich langsam. Ich habe beschlossen, Nils nichts von der Sache mit Maik zu erzählen. Ich glaube, es ist besser so. Es ist passiert und damit fertig, Schluß und vergessen. Es war geil aber eigentlich war es so wie die Sachen früher, passiert und vorbei. Vielleicht sollte ich die Sachen tatsächlich nicht alle so eng sehen und sie so nehmen wie sie kommen. Vielleicht geht das Leben dann sogar ein bißchen leichter.
Samstag, 4. Januar 1997
4. Januar
"Hey, wie war's in Hamburg?"
Wieder zurück in Bergbach. Eigentlich hatte ich ja Doris angerufen um ihr die Geschichte mit Maik zu erzählen. Aber irgendetwas hielt mich davon ab. Statt dessen unterhielten wir uns über alle möglichen uninteressanten Sachen. Eigentlich habe ich ja ein bißchen gehofft, daß Post von Nils angekommen ist. Aber es war nichts da. Vielleicht ist es ja auch ganz gut so.
Nach Hamburg kommt mir Bergbach wieder vor, wie ein Dorf von bekloppten Einödlern. Es ist Samstag Abend und ich sitze in meinem Zimmer und zappe mich durch TV-Programm und habe zu nichts Lust. Keine Lust, wegzugehen, keine Lust andere Leute zu sehen. Eigentlich habe ich nur Lust auf Nils. Ich will ihn in die Arme nehmen und festhalten. Ich will ihn spüren, seinen Duft in mir aufnehmen.
Wieder zurück in Bergbach. Eigentlich hatte ich ja Doris angerufen um ihr die Geschichte mit Maik zu erzählen. Aber irgendetwas hielt mich davon ab. Statt dessen unterhielten wir uns über alle möglichen uninteressanten Sachen. Eigentlich habe ich ja ein bißchen gehofft, daß Post von Nils angekommen ist. Aber es war nichts da. Vielleicht ist es ja auch ganz gut so.
Nach Hamburg kommt mir Bergbach wieder vor, wie ein Dorf von bekloppten Einödlern. Es ist Samstag Abend und ich sitze in meinem Zimmer und zappe mich durch TV-Programm und habe zu nichts Lust. Keine Lust, wegzugehen, keine Lust andere Leute zu sehen. Eigentlich habe ich nur Lust auf Nils. Ich will ihn in die Arme nehmen und festhalten. Ich will ihn spüren, seinen Duft in mir aufnehmen.
Freitag, 3. Januar 1997
3. Januar
"Ist etwas mit dir? Du bist so ruhig?" fragte Mom. Ich schüttelte den Kopf und guckte wieder aus dem Fenster in den Garten. Das kann doch irgendwie alles nicht wahr sein, daß ich diese Sache nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Ich sitze am Ufer und schaue hinaus auf die Elbe. In der Hand halte ich den kleinen Eisbär, den ich von Nils bekommen habe. Wie lange ist es her, daß ich hier saß und davon geträumt habe, daß ich endlich jemanden zum Lieben habe. Und nun? Nun habe ich tatsächlich jemanden, den ich liebe. Und ich setze das alles auf's Spiel. Wenn ich mir überlege, wie er schon bei den kleinsten Sachen ausrastet, dann kann ich mir genau vorstellen, was passiert, wenn ich ihm das erzähle. Wahrscheinlich ist es besser, wenn ich es ihm gar nicht erzähle. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich mir sicher, es ihm nicht zu erzählen.
Donnerstag, 2. Januar 1997
2. Januar
"Meine Güte, was ist denn schon dabei?"
Tassi scheint amüsiert zu sein. Ich dachte wenigstens, daß er mich verstehen würde, aber er meint das wäre doch gar nicht so schlimm: "Ich weiß ja nicht, wie das bei euch Schwulen ist, aber wenn sich was ergibt, warum denn nicht."
Ich fand dieses 'bei euch Schwulen' einen sehr merkwürdigen Ausdruck.
"Was macht ihr eigentlich da?"
"Wie?"
"Na also ich stelle mir das total eklig vor, wenn man sich gegenseitig den Schwanz hintenrein, naja du weißt was ich meine."
"Das mache ich doch gar nicht!" schrie ich. "Schon gut, schon gut, so genau will ich es ja auch gar nicht wissen."
Mir fiel auf, daß das tatsächlich der erste Hetero-Typ ist, mit dem ich darüber rede. Und eigentlich ist es total cool, daß er so ziemlich locker reagiert.
Ich habe gerade eben Phil gefragt, ob er eines von seinen Mädeln mal 'betrogen' hat (komisch, warum schreibe ich denn das automatisch in Anführungszeichen?). Er guckte mich erst ganz verwirrt an, dann grinste er: "Wieso willst du das denn wissen?"
"Naja, einfach so."
Er grinste noch breiter: "Also um ehrlich zu sein: Nein! Bisher noch nie. Ich glaube ich könnte das nicht. Und du?"
Shit, auf die Gegenfrage war ich ja nun gar nicht vorbereitet. "Nein, äh, es war halt nur so eine Frage, weil, naja, ach nichts." Phil fragte nicht weiter und das finde ich immer noch toll an ihm. Er weiß, wann er nicht weiterbohren soll.
Tassi scheint amüsiert zu sein. Ich dachte wenigstens, daß er mich verstehen würde, aber er meint das wäre doch gar nicht so schlimm: "Ich weiß ja nicht, wie das bei euch Schwulen ist, aber wenn sich was ergibt, warum denn nicht."
Ich fand dieses 'bei euch Schwulen' einen sehr merkwürdigen Ausdruck.
"Was macht ihr eigentlich da?"
"Wie?"
"Na also ich stelle mir das total eklig vor, wenn man sich gegenseitig den Schwanz hintenrein, naja du weißt was ich meine."
"Das mache ich doch gar nicht!" schrie ich. "Schon gut, schon gut, so genau will ich es ja auch gar nicht wissen."
Mir fiel auf, daß das tatsächlich der erste Hetero-Typ ist, mit dem ich darüber rede. Und eigentlich ist es total cool, daß er so ziemlich locker reagiert.
Ich habe gerade eben Phil gefragt, ob er eines von seinen Mädeln mal 'betrogen' hat (komisch, warum schreibe ich denn das automatisch in Anführungszeichen?). Er guckte mich erst ganz verwirrt an, dann grinste er: "Wieso willst du das denn wissen?"
"Naja, einfach so."
Er grinste noch breiter: "Also um ehrlich zu sein: Nein! Bisher noch nie. Ich glaube ich könnte das nicht. Und du?"
Shit, auf die Gegenfrage war ich ja nun gar nicht vorbereitet. "Nein, äh, es war halt nur so eine Frage, weil, naja, ach nichts." Phil fragte nicht weiter und das finde ich immer noch toll an ihm. Er weiß, wann er nicht weiterbohren soll.
Mittwoch, 1. Januar 1997
1. Januar
"Hey, du hast Glück. Da ist sogar jemand für dich da", flüsterte Tassi und grinste spöttisch. Ich guckte ihn nur fragend an: "Was meinst du?"
"Siehst du den Typ da hinten mit den dunklen Haaren? Das ist irgendein Kumpel von Varis Schwester. Und der ist garantiert schwul!"
"Woher willst du denn das wissen? Hast du jetzt den Sechsten Sinn für Schwule entwickelt?"
"Bei DEM merkt man das sofort", Tassi lachte und machte sich davon. Als ich diesen Typ dann das erste Mal reden hörte, wurde mir klar, was Tassi gemeint hatte. Himmel, wie kann man nur so tuntig reden? Das Dumme war nur, daß ich aus welchen Gründen auch immer, permanent zu ihm rübergucken mußte. Das schien er bemerkt zu haben, denn irgendwann setzte er sich neben mich: "Hi, ich bin Maik."
"Und ich Tim."
"Wo gehörst du denn hin?"
"Ich war in einer Klasse mit Tassi, Dommes und Vari."
"Wieso warst? Jetzt nicht mehr?"
"Nein, ich bin nach Schwaben gezogen", maulte ich mit heruntergezogenen Mundwinkeln.
"Igitt", kreischte er, "das ist ja abartig." Da wäre ich zum ersten Mal am liebsten unter den Teppich gekrochen.
"Also ich komme ja aus Berlin." Während er das sagte, legte er mir seine Hand auf den Arm. "Naja, eigentlich aus Brandenburg, aber zum Weggehen ist Berlin ja optimal."
Ich nickte und wollte nur weg. Wie konnte man denn nur so tuntig sein? Ich meine der Typ ist genauso alt wie ich und benimmt sich total affig. Ich guckte mich um, ob ich irgendjemanden sah, der mich retten könnte. Doch in dem Gewühle entdeckte ich niemanden. Ich entschuldigte mich und sagte, ich würde mir noch ein Bier holen wollen. Das war ein ziemlicher Fehler, denn er fragte, ob ich ihm eins mitbringen könnte. Shit, also verbrachte ich die nächste halbe Stunde in seinem Redeschwall und hörte mir geduldig an, daß er ja DER begnadete Maler wäre und überhaupt und bla, bla. Endlich schaffte ich es, mich nach draußen abzusetzen. Der eiskalte Wind brachte mir ein bißchen meinen Verstand zurück. Tassi kam mir hinterher. "Na wie gefällt's dir?"
"Ganz nett, aber dieser Typ ist ja grauenhaft."
"Aber der ist doch auch schwul, oder?"
"Meine Güte, nur weil der zufällig auch schwul ist, heißt das doch noch lange nicht, daß ich ihn gut finden muß."
Tassi zuckte mit den Schultern und verschwand wieder nach drinnen. Ich blickte in das schwarze Wasser vom Fleet.
"Ach hier bist du!" Das war Maiks Stimme. Plötzlich fühlte ich seine Arme um meine Hüfte: "Ich habe dich schon gesucht."
Ich war so verblüfft, daß ich stocksteif dastand und mich nicht rührte. Dann drückte er sich an mich: "Ich finde dich süß."
Endlich kam ich wieder zur Besinnung und drehte mich um: "Hey, was soll denn das?"
"Oh, sorry, ich hätte wissen müssen, daß du einer von diesen verklemmten Heteros bist."
"Ich bin kein verklemmter Hetero. Ich bin, ich bin...", ich beganng zu stottern, "Ich bin, wenn du es genau wissen willst, wahrscheinlich genauso schwul wie du." Das war der erste Augenblick an diesem Abend, wo er schweigend und sprachlos war. Doch dieser Zustand dauerte nicht lange: "Und warum hast du dich dann so zickig?"
"Zickig?"
"Du tust ja gerade so, als würde ich dich vergewaltigen wollen."
"Das ist es nicht. Es ist nur, es ist, ach ich weiß nicht, ich war vielleicht einfach nur überrascht. Und außerdem habe ich einen Freund."
"Oh, wo ist er denn?"
"Nicht hier, er ist mit seinen Eltern zum Skifahren."
"Oh, und dann läßt er so ein Goldstück wie dich ganz alleine nach Hamburg fahren? Einfach unverantwortlich." Sein Spott war unüberhörbar. "Ach dir geht's gut, ich habe keinen Freund."
Kein Wunder, dachte ich, doch tatsächlich sagte ich: "Es hat auch lange gedauert, bis ich jemanden gefunden habe. Aber in Berlin ist es doch bestimmt leicht jemanden kennenzulernen."
"Oh, jemanden kennenzulernen ist total einfach. Ich lerne jedesmal jemanden kennen, wenn ich am Wochenende in der Busche bin."
"Wo?"
"In der Busche. Das ist die größte schwule Disco in Berlin."
"Eine schwule Disco?"
"Ja Mann, echt cool. Das Problem ist nur, die Typen, die du da kennenlernst, kannst du nach einer Nacht schon in die Tonne treten." Ich stellte mir vor, wie das wohl ist, eine ganze Disco nur mit schwulen Typen. Irgendwie total unvorstellbar. Mir wurde kalt und ich ging rein. Maik taperte mir hinter. "Habt ihr bei euch keine schwulen Läden?"
"Wie, was meinst du. Schwule Discos? Nein. Es gibt 'nen ganz guten Techno und House Laden in Stuttgart, da gibt es ein paar, aber das ist auch alles."
"Kein Wunder, daß du so verklemmt bist."
"Ich bin nicht verklemmt!" schrie ich ihn an. Die Party stieg eigentlich im ersten Stock des Speichers. Aber wir waren einfach einen Stock höher gegangen und hatten eine stillte Ecke gefunden und so hallte meine Stimme durch den Raum. "Dann beweise mir doch das Gegenteil", flüsterte er kaum hörbar und plötzlich spürte ich seine Lippen auf meinen. Und was dann passierte...Shit, es war so geil...aber ich wünschte, es wäre nie passiert. Wir küßten uns und er küßte wirklich so toll, daß ich ganz hin und weg war, vielleicht war es auch der Alk, ich weiß nicht. Und es blieb es nicht dabei, verdammte Scheiße, nein! Irgendwann ging er mir an die Hose und begann, mir einen runterzuholen und zu blasen. Ich wollte ihn wegstoßen, doch gleichzeitig war es so geil, war ich so geil, daß ich mich einfach fallenließ und mitmachte. Ja, auch ich fing an, ihn einen runterzuholen. Erst als ich gekommen war, kam ich wieder richtig zu mir. Shit, was hatte ich gemacht? Draußen flogen die Sylvesterraketen durch die Hamburger Nacht und ich, ich habe in einem stinkigen Speicher mit einem anderen Jungen rumgemacht. Ich wollte einfach nur aufspringen und losrennen. Doch irgendetwas hielt mich zurück. Maik grinste: "Na, wie war es?"
"Es war ok", log ich und am liebsten wäre ich im Boden versunken. Ich ekelte mich vor mir selber. Was hatte ich getan? Ich hatte Nils, meinen liebsten Nils betrogen. Endlich schaffte ich es, mich aufzuraffen. "Ich muß etwas an die frische Luft", sagte ich. Ich fand meine Jacke und ging nach unten wo die ganze Crowd stand. Ich sagte Tassi, daß ich ein bißchen spazieren gehen würde und setzte mich ab. Ich begann zu laufen. Einfach drauflos. Die Zöllner guckten mich ganz schön komisch an, aber das war mir egal. Überall Feuerwerk, fröhliche Menschen auf den Straßen. Ein neues Jahr. Und dazwischen ich. Mir war, als würde es mir jeder ansehen. Schaut her, dieser Junge hat gerade eben seinen Freund betrogen. Ich begann zu rennen, wollte die Gedanken loswerden, den Geschmack von Maiks Küssen vertreiben. An den Landungsbrücken hielt ich völlig außer Atem an. "Nils, mein liebster Nils, das wollte ich nicht! Ich wollte dich nicht betrügen!" Ich schrie, ich schrie es in die Nacht. Die Tränen schossen mir in die Augen. Verdammt nochmal, was würde er sagen, wenn er davon erfährt? Ich bin ein Idiot, Ich hasse mich dafür, daß ich für diesen Moment so schwach geworden bin. Irgendwie schaffte ich es, zurückzukommen. Das heißt zu Oma nach Hause. Alles schlief zum Glück schon. Meine Family war nie groß darin, Sylvester zu feiern. Nur Phil schien noch weg zu sein. Es ist kurz nach zwei. Ich sitze hier, heule und fühle mich so was von elend. Ich hasse mich, was habe ich getan?
16:00
"Deine Feier war wohl nicht so toll gestern, was?"
"Wieso?"
"Du bist ja schon so früh zurückgekommen."
"Ja, es war ziemlich öde."
Ich glaube, das war das Einzigste was ich den ganzen Tag gesagt habe. Meine Gedanken kreisten die ganze Zeit nur um die Szene mit Maik und wie wohl Nils darauf reagieren würde. Ich will ihn doch nicht verlieren. Was ist das nur für ein Leben?
18:30
Gerade hat Tassi angerufen und gefragt, warum ich verschwunden bin, Es war wohl noch eine ziemlich geile Party. Ich habe ihm gesagt, daß ich es nicht einfach so am Telefon erklären kann. Wir haben uns für morgen verabredet.
23:45
Ich kann nicht schlafen, ich bin schon zum zweiten Mal aufgestanden und unter die Dusche gesprungen. Ich fühle mich so dreckig, will alles abwaschen, was mich an diesen Maik erinnert. Doch die Gedanken kann ich nicht abwaschen. Sie bleiben in meinem Kopf eingebrannt.
"Siehst du den Typ da hinten mit den dunklen Haaren? Das ist irgendein Kumpel von Varis Schwester. Und der ist garantiert schwul!"
"Woher willst du denn das wissen? Hast du jetzt den Sechsten Sinn für Schwule entwickelt?"
"Bei DEM merkt man das sofort", Tassi lachte und machte sich davon. Als ich diesen Typ dann das erste Mal reden hörte, wurde mir klar, was Tassi gemeint hatte. Himmel, wie kann man nur so tuntig reden? Das Dumme war nur, daß ich aus welchen Gründen auch immer, permanent zu ihm rübergucken mußte. Das schien er bemerkt zu haben, denn irgendwann setzte er sich neben mich: "Hi, ich bin Maik."
"Und ich Tim."
"Wo gehörst du denn hin?"
"Ich war in einer Klasse mit Tassi, Dommes und Vari."
"Wieso warst? Jetzt nicht mehr?"
"Nein, ich bin nach Schwaben gezogen", maulte ich mit heruntergezogenen Mundwinkeln.
"Igitt", kreischte er, "das ist ja abartig." Da wäre ich zum ersten Mal am liebsten unter den Teppich gekrochen.
"Also ich komme ja aus Berlin." Während er das sagte, legte er mir seine Hand auf den Arm. "Naja, eigentlich aus Brandenburg, aber zum Weggehen ist Berlin ja optimal."
Ich nickte und wollte nur weg. Wie konnte man denn nur so tuntig sein? Ich meine der Typ ist genauso alt wie ich und benimmt sich total affig. Ich guckte mich um, ob ich irgendjemanden sah, der mich retten könnte. Doch in dem Gewühle entdeckte ich niemanden. Ich entschuldigte mich und sagte, ich würde mir noch ein Bier holen wollen. Das war ein ziemlicher Fehler, denn er fragte, ob ich ihm eins mitbringen könnte. Shit, also verbrachte ich die nächste halbe Stunde in seinem Redeschwall und hörte mir geduldig an, daß er ja DER begnadete Maler wäre und überhaupt und bla, bla. Endlich schaffte ich es, mich nach draußen abzusetzen. Der eiskalte Wind brachte mir ein bißchen meinen Verstand zurück. Tassi kam mir hinterher. "Na wie gefällt's dir?"
"Ganz nett, aber dieser Typ ist ja grauenhaft."
"Aber der ist doch auch schwul, oder?"
"Meine Güte, nur weil der zufällig auch schwul ist, heißt das doch noch lange nicht, daß ich ihn gut finden muß."
Tassi zuckte mit den Schultern und verschwand wieder nach drinnen. Ich blickte in das schwarze Wasser vom Fleet.
"Ach hier bist du!" Das war Maiks Stimme. Plötzlich fühlte ich seine Arme um meine Hüfte: "Ich habe dich schon gesucht."
Ich war so verblüfft, daß ich stocksteif dastand und mich nicht rührte. Dann drückte er sich an mich: "Ich finde dich süß."
Endlich kam ich wieder zur Besinnung und drehte mich um: "Hey, was soll denn das?"
"Oh, sorry, ich hätte wissen müssen, daß du einer von diesen verklemmten Heteros bist."
"Ich bin kein verklemmter Hetero. Ich bin, ich bin...", ich beganng zu stottern, "Ich bin, wenn du es genau wissen willst, wahrscheinlich genauso schwul wie du." Das war der erste Augenblick an diesem Abend, wo er schweigend und sprachlos war. Doch dieser Zustand dauerte nicht lange: "Und warum hast du dich dann so zickig?"
"Zickig?"
"Du tust ja gerade so, als würde ich dich vergewaltigen wollen."
"Das ist es nicht. Es ist nur, es ist, ach ich weiß nicht, ich war vielleicht einfach nur überrascht. Und außerdem habe ich einen Freund."
"Oh, wo ist er denn?"
"Nicht hier, er ist mit seinen Eltern zum Skifahren."
"Oh, und dann läßt er so ein Goldstück wie dich ganz alleine nach Hamburg fahren? Einfach unverantwortlich." Sein Spott war unüberhörbar. "Ach dir geht's gut, ich habe keinen Freund."
Kein Wunder, dachte ich, doch tatsächlich sagte ich: "Es hat auch lange gedauert, bis ich jemanden gefunden habe. Aber in Berlin ist es doch bestimmt leicht jemanden kennenzulernen."
"Oh, jemanden kennenzulernen ist total einfach. Ich lerne jedesmal jemanden kennen, wenn ich am Wochenende in der Busche bin."
"Wo?"
"In der Busche. Das ist die größte schwule Disco in Berlin."
"Eine schwule Disco?"
"Ja Mann, echt cool. Das Problem ist nur, die Typen, die du da kennenlernst, kannst du nach einer Nacht schon in die Tonne treten." Ich stellte mir vor, wie das wohl ist, eine ganze Disco nur mit schwulen Typen. Irgendwie total unvorstellbar. Mir wurde kalt und ich ging rein. Maik taperte mir hinter. "Habt ihr bei euch keine schwulen Läden?"
"Wie, was meinst du. Schwule Discos? Nein. Es gibt 'nen ganz guten Techno und House Laden in Stuttgart, da gibt es ein paar, aber das ist auch alles."
"Kein Wunder, daß du so verklemmt bist."
"Ich bin nicht verklemmt!" schrie ich ihn an. Die Party stieg eigentlich im ersten Stock des Speichers. Aber wir waren einfach einen Stock höher gegangen und hatten eine stillte Ecke gefunden und so hallte meine Stimme durch den Raum. "Dann beweise mir doch das Gegenteil", flüsterte er kaum hörbar und plötzlich spürte ich seine Lippen auf meinen. Und was dann passierte...Shit, es war so geil...aber ich wünschte, es wäre nie passiert. Wir küßten uns und er küßte wirklich so toll, daß ich ganz hin und weg war, vielleicht war es auch der Alk, ich weiß nicht. Und es blieb es nicht dabei, verdammte Scheiße, nein! Irgendwann ging er mir an die Hose und begann, mir einen runterzuholen und zu blasen. Ich wollte ihn wegstoßen, doch gleichzeitig war es so geil, war ich so geil, daß ich mich einfach fallenließ und mitmachte. Ja, auch ich fing an, ihn einen runterzuholen. Erst als ich gekommen war, kam ich wieder richtig zu mir. Shit, was hatte ich gemacht? Draußen flogen die Sylvesterraketen durch die Hamburger Nacht und ich, ich habe in einem stinkigen Speicher mit einem anderen Jungen rumgemacht. Ich wollte einfach nur aufspringen und losrennen. Doch irgendetwas hielt mich zurück. Maik grinste: "Na, wie war es?"
"Es war ok", log ich und am liebsten wäre ich im Boden versunken. Ich ekelte mich vor mir selber. Was hatte ich getan? Ich hatte Nils, meinen liebsten Nils betrogen. Endlich schaffte ich es, mich aufzuraffen. "Ich muß etwas an die frische Luft", sagte ich. Ich fand meine Jacke und ging nach unten wo die ganze Crowd stand. Ich sagte Tassi, daß ich ein bißchen spazieren gehen würde und setzte mich ab. Ich begann zu laufen. Einfach drauflos. Die Zöllner guckten mich ganz schön komisch an, aber das war mir egal. Überall Feuerwerk, fröhliche Menschen auf den Straßen. Ein neues Jahr. Und dazwischen ich. Mir war, als würde es mir jeder ansehen. Schaut her, dieser Junge hat gerade eben seinen Freund betrogen. Ich begann zu rennen, wollte die Gedanken loswerden, den Geschmack von Maiks Küssen vertreiben. An den Landungsbrücken hielt ich völlig außer Atem an. "Nils, mein liebster Nils, das wollte ich nicht! Ich wollte dich nicht betrügen!" Ich schrie, ich schrie es in die Nacht. Die Tränen schossen mir in die Augen. Verdammt nochmal, was würde er sagen, wenn er davon erfährt? Ich bin ein Idiot, Ich hasse mich dafür, daß ich für diesen Moment so schwach geworden bin. Irgendwie schaffte ich es, zurückzukommen. Das heißt zu Oma nach Hause. Alles schlief zum Glück schon. Meine Family war nie groß darin, Sylvester zu feiern. Nur Phil schien noch weg zu sein. Es ist kurz nach zwei. Ich sitze hier, heule und fühle mich so was von elend. Ich hasse mich, was habe ich getan?
16:00
"Deine Feier war wohl nicht so toll gestern, was?"
"Wieso?"
"Du bist ja schon so früh zurückgekommen."
"Ja, es war ziemlich öde."
Ich glaube, das war das Einzigste was ich den ganzen Tag gesagt habe. Meine Gedanken kreisten die ganze Zeit nur um die Szene mit Maik und wie wohl Nils darauf reagieren würde. Ich will ihn doch nicht verlieren. Was ist das nur für ein Leben?
18:30
Gerade hat Tassi angerufen und gefragt, warum ich verschwunden bin, Es war wohl noch eine ziemlich geile Party. Ich habe ihm gesagt, daß ich es nicht einfach so am Telefon erklären kann. Wir haben uns für morgen verabredet.
23:45
Ich kann nicht schlafen, ich bin schon zum zweiten Mal aufgestanden und unter die Dusche gesprungen. Ich fühle mich so dreckig, will alles abwaschen, was mich an diesen Maik erinnert. Doch die Gedanken kann ich nicht abwaschen. Sie bleiben in meinem Kopf eingebrannt.
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